Playtime
Monsieur Hulot schlendert verträumt durch das futuristische Paris und wird Zeuge der Monotonie und der Regeln der Moderne. Er ist auf der Suche nach einem Monsieur Giffard, aber durch eine Vielzahl von Missgeschicken verpassen sie sich immer wieder. Monsieur Hulot sucht ihn an den verschiedensten Orten und durchquert dabei einen Flughafen, ein Bürogebäude, eine Wohnung und ein Restaurant. Jede Station erscheint ihm steril und einheitlich; aus Beton, Glas und Stahl.
Werkangaben
- Regie
- Jacques Tati
- Drehbuch
- Jacques Tati,Jacques Lagrange,Art Buchwald
- Produktion
- Bernard Maurice
- Kamera
- Jean Badal, Andréas Winding
- Schnitt
- Gérard Pollicand
- Musik
- Francis Lemarque
- Besetzung
- Jacques Tati (M. Hulot), Barbara Dennek, Jacqueline Lecomte, John Abbey, Valérie Camille, France Delahalle, France Rumilly, Laure Paillette, Colette Proust
- Land, Jahr
- FR/IT 1967
- Dauer
- 124 Minuten
- Verleih
- Les Films de mon oncle FR
- Altersempfehlung
- 0
Filmografie
- 1949
- Jour de fête
- 1953
- Les Vacances de monsieur Hulot
- 1958
- Mon oncle
- 1967
- Playtime
- 1971
- Trafic
- 1974
- Parade
Auszeichnungen
- 1969
- Bodel Awards: Best European Film
- 1969
- Moscow International Film Festival: Silver Prize
Kommentare
Es ist in Playtime Tatis Vision der modernen Grossstadt, um die sich alles dreht, die die Figuren an- und umtreibt, gruppiert und ebenso definiert wie irritiert. Darunter erscheint der unverkennbare Hulot immerhin noch als Fixpunkt für das Publikum. Auch wenn kleine Verwirrspiele mit dessen typischer Silhouette getrieben werden: Die Kamera folgt mitunter Männern in Regenmäntelchen, zu kurz geratenen Hosen und Pfeife, die sich erst beim zweiten Hinschauen als andere Personen entpuppen. So gerät im Gewimmel der Grossstadt sogar Hulot zur austauschbaren Figur. Obschon er in den ansonsten lose mäandrierenden Erzählsträngen zumindest gewisse Handlungabsichten hegt – er versucht ständig, einen Personalbeauftragten wegen einer Anstellung zu treffen –, zeigt sich Hulot in seinen Aktionen letztlich wie alle anderen Figuren von einem durchkonstruierten urbanen Organismus getrieben und bestimmt. Ein dominierender Organismus, an dessen detailreicher Ausgestaltung Tati jahrelang gearbeitet hat. Vor Hulot, vor sämtlichen Figurenzeichnungen hat er sich bei Playtime um die filmische Erschaffung der Erzählwelt, der Filmstadt, gekümmert: wie sie aussieht, wie sie sich bewegt, wie sie klingt. [...]
Wenn man so will, hat Tati in Playtime seine Jahre zuvor geäusserte Idee, durch die genaue Beobachtung der Menschen in ihrem Alltag die wunderbarste Situationskomik zu erzeugen, radikal weiterentwickelt. Er geht nicht einfach mit der Kamera auf die Strasse, sondern baut sich sozusagen eine klinisch-urbane Versuchsanordnung zur Untersuchung des Geschehens in modernen architektonischen Lebensräumen und -konzepten. Einererseits wird das Funktionieren und Verhalten einer möglichst topmodern und international anmutenden City ausgetestet. Andererseits geht es in Playtime darum, mit filmischen Mitteln zu demonstrieren, wie sich die Menschen in der modernen Grossstadt verhalten: wie sie zuweilen fast schwebend in Architektur- und Designwelten einfliessen, wie sie aber auch über Technik straucheln und in den neuen Wohn- und Arbeitsmaschinen umwerfend komisch zu agieren beginnen.
Jan SahliCINEMA, 2009
Zitat
Wenn Playtime trotzdem als deutliche Kritik an solchen neu entworfenen Lebensräumen gelesen wird, ist das nicht auf das visuelle Design von Tativille zurückzuführen, sondern auf die spezifisch filmische Konstruktion der modernen Stadt.
Jan SahliCINEMA, 2009
Kommentare
Auf den heutigen Zuschauer wirkt dessen ironische Vision einer komplett durchorganisierten Stadt eher einnehmend, so wenig linear erscheint unsere eigene Zeit. Der Takt der industrialisierten Welt ist einem unausgesetzten Durcheinander gewichen. Jacques Tati bleibt nicht so sehr als Architekturkritiker in Erinnerung, sondern als Darsteller, als Regisseur und als Schöpfer von Monsieur Hulot. Sein feinsiniger Humor und sein Spiel mit Farben und Tönen laden ein, seine Filme wieder und wieder zu sehen. Jedes Mal gibt es neue, liebenswerte Details zu entdecken. Fühlen wir uns nicht längst vollkommen heimisch in Tativille?
Nina MayrhoferTaz, 02.11.2022