Playtime

Vorstellung vom
  • Regie: Jacques Tati
  • FR/IT 1967
  • 124 Minuten
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Playtime

Monsieur Hulot schlendert verträumt durch das futuristische Paris und wird Zeuge der Monotonie und der Regeln der Moderne. Er ist auf der Suche nach einem Monsieur Giffard, aber durch eine Vielzahl von Missgeschicken verpassen sie sich immer wieder. Monsieur Hulot sucht ihn an den verschiedensten Orten und durchquert dabei einen Flughafen, ein Bürogebäude, eine Wohnung und ein Restaurant. Jede Station erscheint ihm steril und einheitlich; aus Beton, Glas und Stahl.

Werkangaben

Regie
Jacques Tati
Drehbuch
Jacques Tati,Jacques Lagrange,Art Buchwald
Produktion
Bernard Maurice
Kamera
Jean Badal, Andréas Winding
Schnitt
Gérard Pollicand
Musik
Francis Lemarque
Besetzung
Jacques Tati (M. Hulot), Barbara Dennek, Jacqueline Lecomte, John Abbey, Valérie Camille, France Delahalle, France Rumilly, Laure Paillette, Colette Proust
Land, Jahr
FR/IT 1967
Dauer
124 Minuten
Verleih
Les Films de mon oncle FR
Altersempfehlung
0

Filmografie

1949
Jour de fête
1953
Les Vacances de monsieur Hulot
1958
Mon oncle
1967
Playtime
1971
Trafic
1974
Parade

Auszeichnungen

1969
Bodel Awards: Best European Film
1969
Moscow International Film Festival: Silver Prize

Kommentare

Es ist in Playtime Tatis Vision der modernen Grossstadt, um die sich alles dreht, die die Figuren an- und umtreibt, gruppiert und ebenso definiert wie irritiert. Darunter erscheint der unverkennbare Hulot immerhin noch als Fixpunkt für das Publikum. Auch wenn kleine Verwirrspiele mit dessen typischer Silhouette getrieben werden: Die Kamera folgt mitunter Männern in Regenmäntelchen, zu kurz geratenen Hosen und Pfeife, die sich erst beim zweiten Hinschauen als andere Personen entpuppen. So gerät im Gewimmel der Grossstadt sogar Hulot zur austauschbaren Figur. Obschon er in den ansonsten lose mäandrierenden Erzählsträngen zumindest gewisse Handlungabsichten hegt – er versucht ständig, einen Personalbeauftragten wegen einer Anstellung zu treffen –, zeigt sich Hulot in seinen Aktionen letztlich wie alle anderen Figuren von einem durchkonstruierten urbanen Organismus getrieben und bestimmt. Ein dominierender Organismus, an dessen detailreicher Ausgestaltung Tati jahrelang gearbeitet hat. Vor Hulot, vor sämtlichen Figurenzeichnungen hat er sich bei Playtime um die filmische Erschaffung der Erzählwelt, der Filmstadt, gekümmert: wie sie aussieht, wie sie sich bewegt, wie sie klingt. [...] Wenn man so will, hat Tati in Playtime seine Jahre zuvor geäusserte Idee, durch die genaue Beobachtung der Menschen in ihrem Alltag die wunderbarste Situationskomik zu erzeugen, radikal weiterentwickelt. Er geht nicht einfach mit der Kamera auf die Strasse, sondern baut sich sozusagen eine klinisch-urbane Versuchsanordnung zur Untersuchung des Geschehens in modernen architektonischen Lebensräumen und -konzepten. Einererseits wird das Funktionieren und Verhalten einer möglichst topmodern und international anmutenden City ausgetestet. Andererseits geht es in Playtime darum, mit filmischen Mitteln zu demonstrieren, wie sich die Menschen in der modernen Grossstadt verhalten: wie sie zuweilen fast schwebend in Architektur- und Designwelten einfliessen, wie sie aber auch über Technik straucheln und in den neuen Wohn- und Arbeitsmaschinen umwerfend komisch zu agieren beginnen.
Jan Sahli
CINEMA, 2009

Zitat

Wenn Playtime trotzdem als deutliche Kritik an solchen neu entworfenen Lebensräumen gelesen wird, ist das nicht auf das visuelle Design von Tativille zurückzuführen, sondern auf die spezifisch filmische Konstruktion der modernen Stadt.
Jan Sahli
CINEMA, 2009

Kommentare

Auf den heutigen Zuschauer wirkt dessen ironische Vision einer komplett durchorganisierten Stadt eher einnehmend, so wenig linear erscheint unsere eigene Zeit. Der Takt der industrialisierten Welt ist einem unausgesetzten Durcheinander gewichen. Jacques Tati bleibt nicht so sehr als Architekturkritiker in Erinnerung, sondern als Darsteller, als Regisseur und als Schöpfer von Monsieur Hulot. Sein feinsiniger Humor und sein Spiel mit Farben und Tönen laden ein, seine Filme wieder und wieder zu sehen. Jedes Mal gibt es neue, liebenswerte Details zu entdecken. Fühlen wir uns nicht längst vollkommen heimisch in Tativille?
Nina Mayrhofer
Taz, 02.11.2022