Asako I&II
Die junge Asako lebt in Osaka und verliebt sich Hals über Kopf in Baku. Baku ist wild, mysteriös und voller Energie. Asako schwebt mit ihm auf Wolke sieben. Doch eines Tages verschwindet Baku einfach so. Zwei Jahre später lebt und arbeitet Asako mittlerweile in Tokyo. Sie lernt Ryohei kennen, der ihrer grossen Liebe von damals zum Verwechseln ähnlich sieht – allerdings nur äusserlich. Denn ganz im Gegensatz zu Baku ist Ryohei charmant, fürsorglich und bodenständig. Obwohl sie die Beziehung mit Baku noch immer nicht verarbeitet hat, beginnt sie eine Liebschaft mit Ryohei. Doch was passiert, wenn Baku irgendwann wieder auftaucht?
Werkangaben
- Regie
- Ryūsuke Hamaguchi
- Drehbuch
- Ryūsuke Hamaguchi, Sachiko Tanaka
- Produktion
- Teruhisa Yamamoto
- Kamera
- Yasuyuki Sasaki
- Schnitt
- Azusa Yamazaki
- Musik
- Tofubeats
- Besetzung
- Masahiro Higashide (Baku/Ryōhei), Erika Karata (Asako), Kōji Seto (Kushihashi), Rio Yamashita (Maya), Sairi Itō (Haruyo), Daichi Watanabe (Okazaki)
- Land, Jahr
- JP 2018
- Dauer
- 119 Minuten
- Verleih
- Sister Distribution
- Altersempfehlung
- 12
Auszeichnungen
- 2019
- Yokohama Film Festival: Best Film, Best Director, Best Cinematography, Best Actor (Masahiro Higashide), Best Supporting Actress (Sairi Ito), Best Newcomer (Erika Karata)
Filmografie
- 2008
- Passion
- 2010
- The Depths
- 2012
- Intimacies
- 2015
- Happy Hour
- 2018
- Asako I&II
- 2021
- Drive My Car
- 2021
- Wheel of Fortune and Fantasy
- 2023
- Evil Does Not Exist
Kommentare
Die wahrscheinlich grösste Fähigkeit des gefeierten Regisseurs Ryūsuke Hamaguchi ist die empathische teilnehmende Beobachtung. Das klingt vielleicht banal für einen Filmemacher, der Geschichten über die Liebe erzählt – quasi Basisvoraussetzung. Aber Ryūsuke Hamaguchi hat einen Blick auf seine Figuren eingeübt, der ihnen alles verzeiht, weil er Zuschauerin und Zuschauer die Schuldfrage erspart. Man kann Menschen offensichtlich so filmen, dass die Frage nach der Moral gar nicht erst aufkommt, und die Figuren trotzdem nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Das ist dann nicht banal, sondern eine grosse, stille Kunst.
In frühvollendeter Form kann man Hamaguchis Filmkunst in Drive My Car kennenlernen. Aber schon sein 2018 zuerst in Cannes gezeigter Asako I & II lässt eine ganz eigene Schönheit erkennen. Der Film erzählt eine klassische Boy-meets-Girl-Geschichte, auf der Plotebene vollkommen unspektakulär: Asako verliebt sich auf den ersten Blick in Baku. Die Beziehung währt nur kurz, Baku verschwindet von einem Tag auf den anderen, aber Asakos Liebe hält. Zwei Jahre später trifft sie Ryōhei, der Baku zum Verwechseln ähnlich sieht. Die beiden beginnen einander zu lieben. Bei der Verlobungsfeier von Ryōhei und Asako taucht Baku überraschend auf, und Asako verschwindet mit ihm. Es passiert dann noch etwas, das Ende aber bleibt offen und undefiniert.
Andere Filmemacher:innen hätten aus so einer Geschichte etwas Finsteres gemacht, was von der Austauschbarkeit in der Liebe handelt. Oder vom Wahnhaften der Liebe erzählt. Hamaguchi aber liebt seine Figuren im Sinne einer Liebe zum Menschen, die sind, wie sie eben sind. In den ruhigen Bildkompositionen von Asako I & II entfaltet sich ein Blick, der einen konzentriert und still und vielleicht auch demütig werden lässt. Das ist das Leben. Ein anderes haben wir nicht.
Filmfilter.at, 28.9.2022
Kommentare
Seine Filme bestehen alle zu grossen Teilen aus längeren Dialogsituationen. Dabei gelingt es Hamaguchi irgendwie, diese klassischste aller dramatischen Situationen auf eine Weise zu inszenieren, die neu wirkt und gleichzeitig den gleichsam spirituellen Ursprung des sprachlichen Austauschs zwischen Menschen freizulegen vermag. Gemeinsam mit seinen Schauspieler:innen schafft es Hamaguchi in diesen Dialogen immer wieder, zum innersten Zentrum einer Figur vorzudringen, um dieses im Dialog oder in der Konfrontation mit anderen Figuren sanft in die eine oder andere Richtung zu verschieben – mit einer Wirkung irgendwo zwischen unmerklich und Katharsis. Das Besondere und vielleicht auch Unerwartete daran ist, dass es ihm in den meisten Fällen gelingt, das Publikum zu einem Teil dieser Anordnung zu machen, sodass sich der Schwerpunkt schliesslich irgendwo im diffusen Bereich zwischen inszeniertem Raum, der Leinwand und dem nicht mehr unbeteiligten Körper der Zuschauer:innen neu etabliert.
Woz, 7.4.2022