Pupille

Vorstellung vom
  • Regie: Jeanne Herry
  • FR 2016
  • 115 Minuten
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Pupille

Am Tag seiner Geburt wird der kleine Théo von seiner leiblichen Mutter zur Adoption freigegeben. Zwei Monate hat die Mutter Zeit, ihre Entscheidung zu widerrufen. In ihrem zweiten Spielfilm Pupille schildert Jeanne Herry in akribisch recherchierter, nahezu dokumentarischer Weise das beherzte Engagement und die liebevolle Fürsorge der sozialen Institutionen für den Säugling. Parallel dazu erfährt man die Geschichte der 41-jährigen Alice, die nach ihrer Scheidung die Hoffnung auf ein Adoptivkind aufzugeben beginnt.

NR

Werkangaben

Regie
Jeanne Herry
Drehbuch
Jeanne Herry
Produktion
Alain Attal, Vincent Mazel, Hugo Sélignac
Kamera
Sofian El Fani
Schnitt
Francis Vesin
Musik
Pascal Sangla
Besetzung
Sandrine Kiberlain (Karine), Gilles Lellouche (Jean), Élodie Bouchez (Alice), Olivia Côté (Lydie), Bruno Podalydès (Jacques), Miou-Miou (Irène)
Land, Jahr
FR 2016
Dauer
115 Minuten
Verleih
Frenetic Films
Altersempfehlung
6

Begründung / Zitat

Ohne über die Protagonisten zu urteilen gelingt es der Regisseurin, ein sehr schönes Gleichgewicht zwischen Gefühl und Beobachtung, zwischen bewegendem Drama und präzisem Realismus herzustellen.

Fabien Lemercier
Cineuropa.org, 5.12.2018 (übersetzt)

Kommentare

Die eine Frau bekommt ein Kind, das sie nicht will, die andere Frau wünscht sich vergeblich eines. Der Regisseurin Jeanne Herry gelingt es mit Pupille anhand dieser simplen Gleichung, die komplexen administrativen Vorgänge einer Adoption und die überraschende Menschlichkeit dieses Prozesses aufzuzeigen.

Auf der einen Seite stehen da die an penible Bestimmungen gebundenen Sozialarbeiter, die sich in den zwei Monaten, während denen die leibliche Mutter Zeit hat, ihre Freigabe zur Adoption und ihr Recht auf Anonymität zu widerrufen, um das Baby namens Théo kümmern und schwierige Entscheidungen treffen müssen. Auf der anderen Seite ist da die von diesen Entscheidungen direkt betroffene 41-jährige Alice. Durch Flashbacks erfährt man von Alice, dass sie bereits seit acht Jahren auf ein Adoptivkind wartet, immer wieder mit Enttäuschungen konfrontiert wird und nach ihrer Scheidung kaum mehr an eine eigene Familie zu glauben wagt.

In Pupille erkennt man die hervorragenden Dialoge und die bemerkenswerte Führung der Schauspieler wieder, die bereits Jeanne Herrys ersten Spielfim Elle l’adore auszeichnen. Doch im Gegensatz zu dieser schwarzen Komödie über einen mordenden Sänger und seiner Stalkerin, kommt Pupille ganz ohne unnötigen Suspense aus. Es ist von Anfang an klar, dass sich Alice und Théo finden werden. Der Fokus dieses Films liegt auf dem Adoptionsprozess und dessen emotionalen Auswirkungen auf alle Beteiligten. Dabei vermeidet Jeanne Herry jeden Pathos. Stattdessen lässt sie die akribisch recherchierte, dokumentarisch anmutende Struktur des Drehbuchs durch das Ensemble zum Leben erwecken. Ein Ensemble, das sowohl engagiert als auch harmonisch durch den Film führt.

Elodie Bouchez darf als Adoptivmutter Alice zum ersten Mal seit langem wieder ihr entwaffnendes Lächeln zeigen. Sandrine Kiberlain und Clotilde Mollet spielen ihre Rollen als Sozialarbeiterinnen mit Charakter und einer Prise Exzentrik und Gilles Lellouche überzeugt als pragmatischer Pflegevater mit Mutterinstinkt. Als Amtsleiterin mit dabei ist übrigens auch Herrys Mutter, Miou Miou.

Die wenigen Worte und vielsagenden Blicke, die zwischen dem Baby und den Schauspielern hin und hergehen berühren, ohne dass der Film ins Rührselige abgleitet. Sie erzählen von der kollektiven Anstrengung, die dahinterliegt, wenn ein Neugeborenes in ein behütetes Leben entlassen werden kann und von der Freude eines gelungenen Neubeginns – Pupille ist ein Film, der guttut.

Nicolas Schaller
Le Nouvel Obsérvateur, 4.12.2018 (Übersetzung)

Auszeichnungen

2018
Festival International du Film Francophone de Namur: Meilleur scénario, meilleure comédienne ( Élodie Bouchez)
2019
Prix Lumières: Meilleure actrice (Élodie Bouchez)

Filmografie

2009
Marcher avec Miou-Miou (Kf/cm)
2014
Elle l'adore
2018
Pupille
2019
Mouche (série)