Phantom Thread

Vorstellung vom
  • Regie: Paul Thomas Anderson
  • US/UK 2017
  • 130 Minuten
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Phantom Thread

Der renommierte Schneider und Modedesigner Reynolds Woodcock und seine Schwester Cyril stehen im Zentrum von Londons florierender Modewelt der 1950er. Zu ihrem Kundenstamm zählt alles mit Rang und Namen, vom britischen Königshaus bis zu Filmstars. Die jungen, eleganten Damen, die im Hause des Schneiders ein- und ausgehen, dienen dem überzeugten Junggesellen als Quell der Inspiration. Auf mehr als flüchtige Affären will er sich nicht einlassen. Als die willensstarke und faszinierende Alma seinen Weg kreuzt, findet er mehr als nur seine Muse. Woodcocks einst wohl strukturiertes Leben gerät durch die Liebe zu Alma aus den Fugen. Gleichzeitig erhält seine modische Kreativität neuen Antrieb.

NR

Werkangaben

Regie
Paul Thomas Anderson
Drehbuch
Paul Thomas Anderson
Produktion
Paul Thomas Anderson, Megan Ellison, JoAnne Sellar, Daniel Lupi
Kamera
Ellen Kuras
Schnitt
Dylan Tichenor
Musik
Jonny Greenwood
Besetzung
Vicky Krieps (Alma), Daniel Day-Lewis (Reynolds Woodcock), Lesley Manville (Cyril)
Land, Jahr
US/UK 2017
Dauer
130 Minuten
Verleih
Universal Pictures

Begründung / Zitat

Im Innern der Beziehung von Alma und Reynolds, wie auch im Innern dieses Films, ist ein Geheimnis eingenäht, von dem wir nicht loskommen. Ein wunderbares Gift.

Johannes Binotto
Filmbulletin, 1/2018

Kommentare

Was für ein grosser Schauspieler Daniel Day-Lewis ist, das hat er vermutlich noch nie so eindrucksvoll gezeigt wie im Liebesmelodram Phantom Thread. […]
Warum genau aber reizt es einen dreifachen Oscar-Preisträger wie Daniel Day-Lewis, der schon so ziemlich alle menschlichen Extreme gespielt hat, die man spielen kann, einen pedantischen Londoner Schneider zu verkörpern? Weil er selber ein genauso manischer Perfektionist und Künstler ist wie dieser Schneider. Day-Lewis ist einer der radikalsten Method-Acting-Vertreter des modernen Kinos. Er will eine Rolle nicht bloss spielen, er will sie sich einverleiben, in ihr aufgehen, sprich: Er will vergessen, dass er Daniel Day-Lewis ist. Vielleicht ist die Bürde dieser kräftezehrenden Arbeitsmethode auch der Grund, dass Daniel Day-Lewis bereits im vorigen Jahr angekündigt hat, er wolle sich aus der Schauspielerei zurückziehen. Da braucht es natürlich eine besonders irre Rolle für einen standesgemässen Abschied.
Sein idealer Partner für diese Mission ist der Regisseur Paul Thomas Anderson, mit dem er schon There Will Be Blood gedreht hat. Der Perfektionismus, den Day-Lewis von sich selbst verlangt, zeichnet auch ihn aus. Daniel Day-Lewis und Paul Thomas Anderson haben sich den Schneider in einem langen Pingpongprozess gemeinsam ausgedacht - eine Massanfertigung für den Hauptdarsteller.

David Steinitz
Süddeutsche Zeitung, 31.01.2018

Wo Hitchcocks Filme enden, ist Anderson gerade mal in der Mitte. Es geht weiter. In die Gegenrichtung: Aus dem Despoten, der mit seiner Stille Herrschaft ausübt, wird ein hilfloser Schreihals, dem jede Kontrolle entgleitet, während seine Muse Alma immer grausamer über ihn triumphiert. Das Kleid sitze zu locker, wird bald schon eine der Kundinnen bei der Anprobe sagen. Der Meister verliert seinen Touch, die Frauenkörper entwinden sich dem Griff seiner Kleider.
In Andersons früheren Filmen findet man immer wieder jene symmetrischen Einstellungen, die komponiert sind wie die Klecksbilder des Rorschachtests: Denkbilder für jenen Widerstreit zweier Mächte, um den es in seinen Filmen so oft geht. Das ist auch die Logik von Phantom Thread, wenn der auf Stille und Gehorsam versessene Mann sein Gegenstück in der polternden und eigenwilligen Frau bekommt: Hier haben zwei sich gefunden, die sich gegenseitig mortifzieren und mumifizieren wollen, langsam und schonungslos und ohne Ende: «Ich möchte, dass du auf dem Rücken liegst, hilflos, sanft, offen und nur ich kann dir helfen. Und dann will ich, dass du wieder stark bist. Du wirst nicht sterben. Du wirst dir vielleicht wünschen, Du könntest sterben, aber du wirst es nicht.» So könnte der Film noch lange weitergehen, mit diesem makabren Spiel. «Death by a thousand cuts», nennt man das in der Psychologie, ein Tod durch tausend kleine Stiche, so viele wie es braucht, um ein wunderbares Kleid zu nähen.

Johannes Binotto
Filmbulletin, 1/2018Filmbulletin, 1/2018

Auszeichnungen (Auswahl)

2018
Oscars: Best Achievement in Costume Design
2018
International Cinephile Society Awards: Best Director, Best Actress, Best Supporting Actress, Best Original Screenplay, Best Original Score

Filmografie (Auswahl)

1996
Hard Eight
1997
Boogie Nights
1999
Magnolia
2002
Punch-Drunk Love
2007
There Will Be Blood
2012
The Master
2014
Inherent Vice
2017
Phantom Thread