Der amerikanische Freund

Vorstellung vom
  • Regie: Wim Wenders
  • DE/FR 1977
  • 127 Minuten
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Der amerikanische Freund

Der Bilderrahmer und Restaurateur Jonathan Zimmermann leidet an einer gefährlichen Blutkrankheit. Der skrupellose amerikanische Kunsthändler Tom Ripley erfährt davon und aus einer Laune heraus erzählt er dem Ganoven Minot von Jonathan. Der bietet dem todkranken Mann an, für ihn einen Mordauftrag durchzuführen. Dafür soll er hoch bezahlt werden, um so seiner Frau und seinem Kind etwas hinterlassen zu können. Ripley bereut bald, Jonathan ausgeliefert zu haben. Zwischen den beiden ungleichen Männern entsteht eine Freundschaft, die dazu führt, dass Ripley schliesslich eingreift, als Zimmermann zu einem weiteren Mord nicht mehr in der Lage ist.

EF

Werkangaben

Regie
Wim Wenders
Drehbuch
Wim Wenders
Produktion
Renée Gundelach, Margaret Ménégoz, Joachim von Mengershausen, Wim Wenders
Kamera
Robby Müller
Schnitt
Peter Przygodda
Musik
Jürgen Knieper
Besetzung
Bruno Ganz (Jonathan Zimmermann), Dennis Hopper (Tom Ripley), Lisa Kreuzer (Marianne Zimmermann), Gérard Blain (Minot), Nicholas Ray (Derwatt), Samuel Fuller (Der Amerikaner), Daniel Schmid (Ingraham), Jean Eustache (freundlicher Mann)
Land, Jahr
DE/FR 1977
Dauer
127 Minuten
Verleih
Les Acacias, Paris (mit Unterstützung der Wim Wenders Stiftung/avec le soutien de la Fondation Wim Wenders)

Begründung / Zitat

Männerfreundschaft. Das Gegenüber ist die Einsamkeit». Wenders Filmfreundschaften als Vorbild waren in dieser Zeit wichtig für mich. Als einer der besten Filme aller Zeiten ist es Zeit, ihn wiedermal zu zeigen.

Eva Furrer
Filmgilde Biel (Carte blanche)

Kommentare

In Hamburg, Paris und in New York drehte Wim Wenders 1976 diesen Neo Noir mit deutschen, französischen und US-amerikanischen Schauspielern. Nach der Vorlage Ripley’s Game aus der Feder von Patricia Highsmith gelingt Wenders im Rückbezug auf den klassischen Film Noir, mit der Hilfe seines Kameramanns Robby Müller und mit teils exzellenten Darstellern ein streckenweise fulminanter Noir Thriller. Von Anbeginn bemerkenswert ist die atmosphärische Dichte der Städteportraits. Die Grossstadt ist eine zentrale Figur des klassischen Film Noirs und sie ist es auch hier. Die Wahl der Drehorte und die Art und Weise, sie im Rahmen der Handlung zu inszenieren, ist schlicht superb. Hamburg erweist sich mit seinem Hafenflair nicht weniger als eine grandiose Film-Noir-Kulisse als eben Paris und New York. Das ist derart stilsicher eingefangen, dass es den Vergleich mit den besten internationalen Produktionen seiner Zeit nicht zu scheuen braucht. Das nächste Moment der Meisterschaft ist der traumhafte Schnitt. Sichtbar von der Nouvelle Vague beeinflusst trägt die Schnitttechnik in vorbildlicher Weise zum Rhythmus und zur Dynamik des Films bei, der mit 121 Minuten einerseits lang, andererseits straff und spannungsgeladen daherkommt. Die Kamera von Robby Müller, ihr Wechsel der Einstellungen und viele seiner Fahrten, all das ist ebenfalls von höchster Güte. Kaum fällt was als überflüssig heraus, dergestalt wird das Erzählen einer Geschichte exemplarisch in den Vordergrund gerückt.

Matthias Merkelbach
der-film-noir.de

Der amerikanische Freund ist ein typischer Wenders: sperrig, verschroben, karg... aber wer genau hinsieht, bekommt Aussergewöhnliches geboten. Das triste Drama ist die zweite – sehr freie – Verfilmung der fünf Tom-Ripley-Romane von Patricia Highsmith. Die Lichtsetzung des Films ist beispielhaft grandios eingefangen von Robby Müller. Wenders gelingt es immer wieder, aus der Tristesse poetische Bilder zu kreieren. Famos ist auch die spielerisch-leichte Verschmelzung der Metropolen Hamburg, Paris und New York – die Übergänge sind fliessend und kaum zu spüren. Eine cineastische Fingerübung der Sonderklasse.

Die Thrillerhandlung verfolgt Wenders zwar mit Stringenz, aber wirklich wichtig ist sie ihm nicht. Die Zugsequenz ist glänzend auf Spannung inszeniert, aber die wahre Grösse des Films macht die exakte Charakterstudie der Hauptfigur Jonathan Zimmermann aus. Bruno Ganz brilliert mit internationaler Klasse. Der Schweizer schafft es, das Publikum für sein Schicksal zu interessieren, obwohl er sich für den Job als Auftragskiller entscheidet. Die Gesichtszüge von Ganz, der schwer unter seiner Krankheit leidet, und zum Ende hin immer mehr an Kraft verliert, sprechen Bände. Dennis Hopper bildet als mysteriöser Tom Ripley einen schönen Gegenpart und unterstützt das Spiel von Ganz.

Carsten Baumgardt
Filmstarts.de

Auszeichnungen

1977
Deutscher Kritikerpreis
1978
Bambi Preis: Beste Schauspielerin (Marie Kreuzer)
1978
Deutscher Filmpreis: Filmband in Gold (Beste Regie, Bester Schnitt), Filmband in Silber (Bester Film)
1979
Sant Jordi Awards: Best Foreign Performer (Bruno Ganz)

Filmografie (Auswahl)

1974
Alice in den Städten
1975
Falsche Bewegung
1976
Im Lauf der Zeit
1977
Der amerikanische Freund
1982
Der Stand der Dinge
1984
Paris, Texas
1987
Der Himmel über Berlin
1991
Bis ans Ende der Welt
1999
Buena Vista Social Club
2000
The Million Dollar Hotel
2005
Don't Come Knocking
2011
Pina
2014
Das Salz der Erde
2018
Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes