Dene wos guet geit

Vorstellung vom
  • Regie: Cyril Schäublin
  • CH 2017
  • 71 Minuten
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Dene wos guet geit

Alice arbeitet in einem Callcenter in der Peripherie von Zürich. Sie verkauft Internet- und Krankenkassenangebote an Unbekannte am anderen Ende der Leitung. Nach der Arbeit geht sie durch die Stadt, in der alles reibungslos zu funktionieren scheint. Inspiriert von ihrem Job ruft sie alleinstehende Grossmütter an und täuscht ihnen vor, sie sei ihre Enkelin in Geldnot. Während sie mit diesem Trick schnell ein Vermögen verdient, erkundet der Film Orte und Menschen in Zürich, die alle auf seltsame Weise mit der Tat von Alice in Verbindung stehen.

DS

Werkangaben

Regie
Cyril Schäublin
Drehbuch
Cyril Schäublin
Produktion
Silvan Hillmann, Lara Hacisalihzade, Ralph Rutishauser, Cyril Schäublin
Kamera
Silvan Hillmann
Schnitt
Cyril Schäublin
Besetzung
Sarah Stauffer, Nikolai Bosshardt, Fidel Morff, Daniel Binggeli, Margot Gödros
Land, Jahr
CH 2017
Dauer
71 Minuten
Verleih
Outside the Box

Begründung / Zitat

Dene wos guet geit ist in seiner formalen Radikalität, für die es im jüngeren Schweizer Film nur wenige Beispiele gibt, grossartig. (...) Die Schweiz braucht mehr solche Filme.

Dominic Schmid
CINEMA #63, 2018

Kommentare

Wann zuletzt haben wir einen so bösen, radikal präzisen und in der Bildsprache so konsequenten Schweizer Film gesehen? (...) Cyril Schäublins Dene wos guet geit verstösst so ziemlich gegen alles, was man von einem spannenden Film erwarten kann – und verzaubert genau dadurch.
Es ist dieser so sanfte wie bezwingende satirische Blick in Bild, Ton und Dialogen, der Dene wos guet geit zu einem hintersinnigen Vergnügen macht. Postdramatisch nennt man im Theater diese Narrationsweise, die lineare Erwartungen listig unterläuft. Eine undramatischere Verhaftung als die der Betrügerin hat man noch in keinem Film gesehen. Das wirkliche Drama der Schweiz ist vielleicht gerade dies: dass alles so reibungslos und absurd höflich abläuft. Und spätestens da darf man sich an das geniale Lied von Mani Matter erinnern, von dem sich der Film den Titel leiht und das in wenigen Zeilen die Problematik der ungleichen Güterverteilung – samt ihrer Auswirkung auf unsere Befindlichkeit – auf den Punkt bringt. Schäublins visuelle Lakonik korrespondiert aufs Schönste mit Matters verbaler.

Alfred Schlienger
NZZ, 10.1.2018

Statt Figuren mit Psychologie und Herkunft auszustatten, wie es unsere Filmschulen und Fördergremien gerne haben, damit das Resultat schön gefühlig wird, berührt Dene wos guet geit gerade durch seinen Verzicht. Schon die Laufzeit seines Films ist mit nur 71 Minuten lakonisch knapp und wirkt damit umso länger nach. Grossaufnahmen, wo sie denn vorkommen, signalisieren hier nicht mehr die stereotypen grossen Gefühle, sondern viel erschütternder, den hoffnungslosen Versuch, sich daran zu erinnern, was da an Affekten mal war. Doch als der Pfleger im Altersheim aufsteht und davongeht, sich bereits abwendet und noch desinteressiert zur alten Frau sagt: «Sie haben es gut gemacht», da berührt er sie mit der Hand an der Schulter. Sie wird später, als er schon weg ist, nochmals an diese Stelle fassen, als sollte die Berührung gespeichert werden. Es ist das einzige Mal in diesem Film, dass Körper sich tatsächlich berühren, abgesehen vom Händeschütteln, wenn die Betrügerin ihr Geld in Empfang nimmt. Wo sonst nur Medien einander weitergereicht werden, Kugelschreiber und Mobiltelefone, und selbst der Portier in der Privatbank Handschuhe trägt und nur einmal sich selbst streichelt, kommt den seltenen Momenten, in denen physischer Kontakt stattfindet, umso mehr Bedeutung zu. Auf den Sicherheitsgeräten, auf die die Angestellten ihre Hand auflegen müssen, bleibt die Kamera immer noch ein bisschen länger als nötig, als müssten auch wir uns diese subtilen Momente der Berührung einprägen. Werden Geldtransfer und Datenübertragung als Funktionen gezeigt, um Kontakt gerade nicht zu ermöglichen, sondern zu unterbinden, erweisen sich die kurzen Augenblicke, in denen Berührung stattfindet, als explosiv. Verbindungsrouten werden aufgerissen, wo vorher nur Stillstand war.

Johannes Binotto
Filmbulletin 8/2017

Auszeichnungen

2017
Locarno Film Festival: Special Mention of the Jury
2018
Zürcher Filmpreis: Bester Film
2018
Edinburgh Film Festival: Best International Feature Film
2018
Mucia International Film Festival IBAFF: Meilleure fiction

Filmografie

2004
Das Licht der Maschine (Kf/cm)
2009
Lenny (Kf/cm)
2011
Portrait (Kf/cm)
2012
Stampede (Kf/cm)
2017
Dene wos guet geit
2018
Kropotkin (Kf/cm doc)

Travelogue Tel Aviv

Vorprogramm
  • Regie: Samuel Patthey
  • CH 2017
  • 6 Minuten
zum Hauptfilm

Travelogue Tel Aviv

Ein junger Kunststudent aus der Schweiz landet für sechs Monate in Tel Aviv. Durch das Zeichnen lernt er diese kontrastierte Stadt, wie sich selbst zu analysieren und zu verstehen.